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Chronik

Schon um das Jahr 1890 gingen von Aldrans 7 Mann nach Ampass zur Musik. Es waren dies Georg Muigg, Blasius Pichler, Johann Steffan-Förstner, Josef Hörmann, Johann Steinacher-Maut, Josef und Johann Haselwanter-Oberer Brock.

Am 4. Mai 1897, anlässlich der Florianifeier der Feuerwehr von Aldrans saß man beim Frühschoppen im Aldranser Hof. Die Stimmung war gut, man sprach über die Musik. Josef Hörmann, der Besitzer des Jaggler- und Metzgeranwesens, welches zur damaligen Zeit zusammengehörte, sagte zu Hans Haselwanter:“ Du könnten wir nicht selbst eine Musik gründen?“

Diese Äußerung wurde auch auf dem anderen Tisch dem Schulleiter Blasius Pichler bekannt gegeben. Nach wenigen Minuten Überlegens ist er aufgestanden, bat um Ruhe und gab mit Begeisterung den Anwesenden die Gründung der Musikkapelle Aldrans bekannt.

Das war ein großes Hallo für alle Anwesenden. Viele fragten den Lehrer, ob sie zur Musik dazukommen könnten und ob sie überhaupt die Musik erlernen würden. Der Schulleiter wollte niemandem die Freude verderben und sagte:“ In vier Wochen kann jeder soviel, was zur Musik notwendig ist!“

Alle waren im Geiste schon Musikanten und bei Bier und Wein ist aus dem Feuerwehrfest ein richtiges Musikfest geworden, welches bis in die Nacht hinein anhielt.

Jede Musikkapelle braucht aber einen Mann, der musikalisch und organisatorisch die Fähigkeiten besitz, um eine Musikkapelle zu leiten. In Aldrans war dies voll und ganz der Blasius Pichler aus Truden, seit 1889 Lehrer in Aldrans.

Es fehlten aber noch sämtliche Musikinstrumente, Noten und ein Probelokal. Diese Schwierigkeiten waren aber schon bald überwunden.

Einige kauften sich die Instrumente selber, die anderen bekamen sie teilweise von Herrn Tutz – Instrumentenbauer in Innsbruck – geliehen.

Die noch fehlenden Instrumente wurden Dank der großzügigen Hilfe des Martin Nagiller gekauft, der der Musikkapelle Geld vorgestreckt hatte.

Da noch viel Geld fehlte half die Gemeinde der Musikkapelle, indem sie im Hochwald 60 schöne Zirbenbäume zur Verfügung stellte, welche von den Musikanten selbst gehackt, zur Straße gestellt und verkauft wurden. Diese Aktion verhalf der Musikkapelle schließlich zu einer schönen Geldsumme.

Im Juni desselben Jahres, also erst vier Wochen nach der eigentlichen Gründung, wurden schon die ersten Proben, und zwar in einem ganz komfortablen Probelokal, abgehalten. Es war dies die Binderwerkstätte des Max Steffan.

Bis auf sieben Mann, die damals schon bei der Ampasser Musikkapelle mitwirkten, waren alle vollkommene Neulinge in der Musik. Mit großem Eifer ging es nun daran, zu blasen und zu lernen.

Sämtliches Notenmaterial für jeden Musikanten wurde dabei in größter Liebe und Aufopferung vom Kapellmeister Blasius Pichler geschrieben.

Bei den ersten Proben waren folgende Musikanten dabei:

  • Kapellmeister: Blasius Pichler
  • Baßflügelhorn: Blasius Pichler, Josef Hörmann
  • Flügelhorn: Georg Muigg, Hans Haselwanter, Ludwig Span
  • Es-Piston: Josef Bircher (Knecht beim Kirchmoar)
  • Klarinette: Josef Steffan, Josef Wolf, Johann Brunner
  • Baß: Alois Gapp – Jaggler, Alois Gapp – Orgler
  • Posaune und Horn: Johann Steinacher, Georg Thum, Josef Klingler
  • Trompete: Johann Klingler, Martin Nagiller, Alois Früh
  • Schlagwerk: Franz Dollinger, Sebastian Wolf, Josef Haselwanter, Josef

Am Herzsee wurde im Stillen bereits das Marschieren geübt, und im Anschluss gab es stets beim Prantlhof Krapfen zur Stärkung. Es wurde sehr viel geprobt, und schon am Kirchmontag, den 20.Oktober 1897 konnte es die Musikkapelle wagen, in der Öffentlichkeit aufzutreten.

Um 2 Uhr nachmittags begann, von der ganzen Dorfbevölkerung bestaunt, der Ausmarsch vom Probelokal mit klingendem Spiel. Die Musikanten zogen durchs Dorf zum Herzsee und dort wurde das erste Konzert abgehalten.

Die „Aldiger“ waren stolz auf ihre Musik.

Im Jahr 1900 wurde die bis dahin getragene Feuerwehruniform abgelegt, und durch eine Uniform, bestehend aus grauem Rock, grauem Hut mit Hahnenfeder ersetzt.

In der darauf folgenden Zeit hatte die Musikkapelle Aldrans einen Aufstieg zu verzeichnen der in der Geschichte der Landkappelle einzigartig war. Man muss wissen, dass das Programm einer Landkapelle zur damaligen zeit aus Märschen, Polkas und leichten Walzern bestand. Bei vielen Kapellen blieb dies so – nicht aber bei der Musikkapelle Aldrans.

Dem Blasius Pichler gelang es durch seine hervorragenden Fähigkeiten als Musikant und Kapellmeister, die Musikkapelle Aldrans sehr bald auf ein hohes Leistungsniveau zu bringen. Dadurch konnten die „Aldiger“ als einer der ersten Landkapellen in Innsbruck bei öffentlichen Konzerten mitwirken und neben den Stadtkapellen bestehen.

Ausrückung am 1. Mai Ende der „Fünfziger“ Marketenderinnen: links „Jaggler“ Agnes – rechts „Brock“ Frida

Zum 100-Jahr Gedenken an 1909 nahm die Musikkapelle Aldrans beim großen Festumzug in Innsbruck teil. Die Musikanten marschierten in der neuen Schützentracht, mit der sie im Jahr 1908 ausgestattet wurden.

Der erste Weltkrieg zwang auch die Musikkapelle Aldrans zu einer Pause. Zur Fronleichnamsprozession im Jahre 1919 fand zum ersten Mal wieder ein Ausrücken statt. Die Aldiger Musikanten halfen in den Nachkriegsjahren der Ampasser Musik bei den beiden Prozessionen aus, weil die „Ampiger“ nach dem Krieg noch nicht alle Register besetzen konnten.

1923 wurde die Musik auch mit der neuen Tracht ausgestattet.

In diesen Jahren nahm man des öfteren an „Konkurrenz-Musikspielen“ teil.

Am 11. Oktober 1925 erreichte die Aldranser Musik in Innsbruck mit dem Stück „Das Goldene Kreuz“ den ersten Preis.

Am 15. März 1930 verstarb der Kapellmeister und Ehrenbürger Blasius Pichler. Er war mehr als 30 Jahre die Seele der Musik.

Sein Nachfolger wurde der Schuldirektor Paul Koch. Ihm gelang es trotz mancher Schwierigkeiten, den guten Ruf der Aldranser Musik zu erhalten.

Der Umsturz durch Hitler hat auch in der Musik die Einigkeit zerstört. Die Musikkapelle erhielt während der Nazizeit den Namen Standschützenmusik und musste bei jedem Appell oder Aufmarsch in Innsbruck bereit sein, um aufzuspielen. Im zweiten Weltkrieg starben Rudolf und Martin Nagiller, Anton Piegger und Florian Klingler den Heldentod.

Während des Krieges leitete Robert Poller, ein alter Militärmusiker, die Kapelle. Obwohl viele Musikanten zum Militärdienst eingezogen wurden, war die Musik während des Krieges immer einsatzfähig.

Das erste Ausrücken nach dem Krieg war die Fronleichnamsprozession im Jahr 1946. 1947 übernahm Paul Koch wieder die Leitung der Musik. Unter schwierigen Verhältnissen wurden junge Musikanten ausgebildet und neue Instrumente beschafft. Mit dem Bau des Schulhauses 1949 erhielt die Musikkapelle auch ein neues Probelokal.

Ein Höhepunkt für die Musikkapelle war das 2. Bezirksmusikfest im Jahre 1951 in Aldrans. Mit der „Egmont-Ouvertüre“ von Beethoven erreichte man die Note „Sehr gut“ beim Wertungsspiel.

Das Jahr 1957 war für die Musik wieder ein Wendepunkt in ihrer Geschichte. Es war an der Zeit, eine neue Tracht anzuschaffen. Dies war nur durch die entscheidende Tatkraft des Obmannes Franz Steffan möglich. So wie bei der Gründung 1897 spielte auch dieses Mal das Holz wieder eine entscheidende Rolle. Franz Steffan ging von Haus zu Haus, und bat um Holz für die Musik, welches die Musikanten selbst schlägerten. Durch die großzügigen Spenden der Aldranser Bauern und der Gemeinde konnten die neuen Trachten in Auftrag gegeben werden.

1959 nahm unsere Musikkapelle beim 150-Jahr-Gedenken an 1809 an einem großen Festumzug in Innsbruck teil.

Abfahrt im Lieferwagen zum Bezirksmusikfest nach Oberperfuss Im Jahre 1958 (viele Zuschauer bei der Abfahrt)

Im Jahr 1967 fand zum 2. Mal das Bezirksmusikfest in Aldrans, zugleich unser 70-Jahr-Jubiläum, statt. In dieser Zeit fanden auch viele Ausflüge, wie beispielsweise nach Hof in Bayern, Wilhelmshaven, Köln – Bergisch-Gladbach und Wien statt.

1979 konnte das neue Probelokal im Gemeindezentrum bezogen werden.

Zu einem großen Anlass gestaltete sich das Bezirksmusikfest im Juli 1982.

Am 3. Oktober des gleichen Jahres fand die 500-Jahr –Feier unserer Pfarrkirche statt, wobei die Musikkapelle Bischof Reinhold Stecher am Dorfplatz empfing und den Festakt nach dem Festgottesdienst feierlich umrahmte.

1984 fand nach längerer Pause wieder ein Wertungsspiel in Aldrans statt.

Die Musikkapelle erreichte mit den Stücken „ der Festtag“ und „Raketenflug“ in der Stufe „C“ einen sehr guten Erfolg.

Zum Gedenken an 175 Jahre Erhebung Tirols 1809 nahm die Kapelle im September des gleichen Jahres an einem großen Festumzug in Innsbruck teil.

Im folgenden Jahr wurde die Kapelle nach Cassis bei Marseille eingeladen, und sie erlebte dort einen ihrer schönsten Ausflüge.

1987 wurde das 90-jährige Bestehen der Musik gefeiert.

Gemeinsam mit dem Aldranser Singkreis fand sich die Musikkapelle am 2. Juli 1990 zu einer Live-Aufnahme eines Frühschoppens im ORF Studio ein. Am 21. Oktober ereichte sie beim Wertungsspiel in Völs einen ausgezeichneten Erfolg.

Beim Landeswertungsspiel am 22. Mai 1992 im Stadtsaal verbuchte die Musikkapelle mit 87 Punkten einen sehr guten Erfolg. In diesen Jahren fanden auch zwei große Auslandsreisen statt: unsere Musik fuhr nach Budapest und Prag.

Im November 1996 nahm die Musikkapelle ihre erste CD auf, die zum Jubiläumskonzert am 1. Juni 1997 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kapelle vorgestellt wurde.

Am 3. August 1997 wurde das 100-Jahr-Jubiläum der Musik gefeiert, an dem die Schützenkompanie Aldrans, die ehemaligen Marketenderinnen und die Musikkapelle Obertilliach teilnahmen.

Weitere 10 Jahre später wurde Anfang August 2007 das 110 jährige Bestehen der Musikkapelle Aldrans im Rahmen eines rauschenden Dorffestes 3 Tage lang gefeiert. Dabei wurde unter anderem in Verbindung mit einem Konzert, bei dem alle ehemaligen und aktuellen Kapellmeister Stücke dirigierten, diese Homepage feierlich vorgestellt. Die Moderation des Konzerts übernahm das Moderatorenteam Waltraud Kiechl und Franzi Niederkofler.

Vor dem Haus Pichler beim Dorfplatz in Aldrans (Anfang 1950)
Nach dem Konzert in Stumm im Zillertal 2005
Mai - 2013
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Stand: 23.10.2008